Der Begründer der Anthroposophie und Inaugurator der entsprechend orientierten Heilpädagogik und Sozialtherapie, Rudolf Steiner, wurde im Jahre 1861 geboren. Nach naturwissenschaftlichen Studienjahren trat er zunächst vor allem als Goetheforscher, später als Philosoph und Herausgeber verschiedener literarischer Magazine in Erscheinung. Während seiner Studienjahre betreute Steiner ab 1884 als Hauslehrer in der Familie Specht unter anderem deren Sohn Otto, einen Jungen mit Hydrozephalus. Über diese Zeit schrieb Steiner später: "Da machte ich mein wahres Studium in Physiologie und Psychologie durch."

Nachdem Steiner seit der Jahrhundertwende begonnen hatte, seine Anschauungen im Rahmen der damaligen "Theosophischen Gesellschaft" zu vertreten, ergriff er immer wieder Initiativen, die in seinen Publikationen und Vorträgen dargestellten Inhalte auch für das praktische Leben fruchtbar zu machen. So widmete er sich 1907 unter anderem dem Thema der Pädagogik und machte deutlich, dass "die Geisteswissenschaft alles anzugeben wissen (wird), was hier in Betracht kommt, wenn sie zum Aufbau einer Erziehungskunst aufgerufen wird."

Angesprochen auf Fragen zur damals so genannten "Krüppelfürsorge" äußerte sich Steiner im Kriegsjahr 1915 in einem Brief: "Man kann kaum einem Menschen seelisch etwas sein, in dessen Innenlage man sich nicht versetzen kann." Damit sprach er ein weiteres zentrales Motiv der späteren heilpädagogischen Bewegung an.

Nach dem Ende des Krieges kam es im Zuge einer sozialen Neubesinnung 1919 zur Gründung der Freien Waldorfschule in Stuttgart, die unter anderem von Beginn an unter der Leitung von Karl Schubert auch eine besondere Klasse mit heilpädagogisch zu betreuenden Kindern betrieb. Die Waldorfschule ging insofern über den reformpädagogischen Gedanken der Einheitsschule hinaus und war zunächst bereits inklusiv orientiert.

Durch die Initiative dreier junger Erzieher wurde 1924 auf dem Lauenstein in Jena die erste heilpädagogische Einrichtung begründet, die anthroposophisch ausgerichtet arbeiten wollte. Rudolf Steiner besuchte dieses Institut und ließ sich ein Reihe von Kindern vorstellen. Im Anschluss beschloss er, diese Arbeit mit den jungen Mitarbeitern zusammen mit den Mitarbeitern des Klinisch-therapeutischen Instituts in Arlesheim in einem besonderen Kurs in Dornach fortzusetzen, der dann vom 25. Juni bis zum 7. Juli 1924 als so genannter "Heilpädagogischer Kurs" stattfand.
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RUDOLF STEINER 1861 -1925


Vor allen Dingen, was gehört zum
Erziehen von solchen Kindern dazu?
Nicht die bleierne Schwere,
sondern Humor,
wirklicher Humor, Lebenshumor.

Heilpädagogischer Kurs 1924