GEMEINSCHAFT IN BEWEGUNG - WOHNGRUPPE BLUMENTHAL

Unsere Kinder und Jugendlichen haben zwei Lebensbereiche. Ihr Zuhause und die Wohngruppe. Auch wir Mitarbeiter haben unser Zuhause und die Wohngruppe. Da gibt es viel gegenseitiges Anteilnehmen, es wird von den Ferien und Wochenenden erzählt und natürlich, was Mama und Papa so gemacht haben, aber die Kinder wollen auch wissen, wie es uns erging. Sie stellen ihre Fragen nach unseren eigenen Kindern, danach, was die Katzen angestellt haben und, keineswegs unwichtig, bleibt, was es zu essen gab.

Unsere gemeinsamen Zeiten verbringen wir um und in Blumenthal. Wir bilden eine Gemeinschaft, die sich in häufiger Bewegung befindet. Wir nehmen auf und geben ab. Und anders als in der normalen Familie, wo die Kinder alle irgendwann das Haus verlassen, geht diese Bewegung bei uns fortwährend weiter.

Jeder, egal ob klein oder groß, der zu uns kommen möchte, besucht uns für eine Zeit, je nach Alter und Möglichkeiten zwischen drei bis fünf Tagen. Das bedeutet schon etwas. Mut für das Kind und Bewegung für uns. Manchmal muss innerhalb des Hauses umgezogen und die Sitzordnung an den Tischen verschoben werden, um unserem Besuch die besten Voraussetzungen zu schaffen. Immer wieder ist es schön zu sehen, wie offen und selbstverständlich jeder neue Gast von den Mitbewohnern empfangen wird. Sehr viel wird untereinander geregelt, geholfen, geordnet. Und natürlich auch beobachtet. Als Max, damals gerade 6 Jahre alt, zu Besuch kam, ein Junge, der nicht sprechen konnte und seine Stimmungen entweder durch Jauchzen oder Schreien kund tat (wodurch er viel Unruhe mit sich brachte), saß Olaf auf dem Badewannenrand und betrachtete das Treiben um den Kleinen beim abendlichen Waschen. Rums erhielt der Große einen Stoß und landete in der Badewanne. Da sagte er nur Oh!! Nach der Hospitation kamen er und einige Andere dann und sagten, der kommt doch zu uns, nicht wahr, der ist so lustig. Wie wir schauen die Kleinen und Großen, jeder auf seine Art, ob es ein guter und richtiger Platz für die oder den Neuen ist. Manchmal entstehen auch längere Eingewöhnungszeiten, da finden dann z.B. regelmäßig Besuche an einem Nachmittag in der Woche statt, um den nicht immer einfachen Abschied von zu Hause zu erleichtern und das Neue, Unbekannte vertrauter zu machen. Besucht uns ein Jugendlicher, wird er nach der Hospitation gefragt, ob er mit uns leben möchte; hier sind die eigenen Entscheidungen, wenn sie möglich sind, für das Gemeinsame sehr wichtig.

Erfolgt dann der endgültige Einzug, entsteht oft noch einmal ein kräftiger Wirbel. Beziehungsgeflechte müssen sich neu ordnen, Aufmerksamkeiten anders verteilt werden und die daraus entstehenden Eifersüchteleien verlangen ein waches Begleiten. Als hilfreich erweist sich hier das gemeinsame Tun. Jeder hat seine Aufgabe, die tagtäglich als Amt bewältigt wird und ist sie auch noch so klein, trägt sie doch dazu bei, dass die Umgebung ergriffen und für alle gut gestaltet bleibt. Einerlei, ob die Hühner, die Katze und die Ziegen gefüttert werden oder die Treppe gefegt wird. Fällt nur einer aus, wird sofort deutlich, es fehlt etwas. Und wenn Max, der vor kurzem zum achten Mal seinen Geburtstag bei uns gefeiert hat, heute seinem Amt nachgeht, die Papierkörbe in allen Zimmern zu leeren, stellt er aufmerksam fest, dass der Nachtdienst wieder Schokolade gegessen hat.

Aber nicht nur das Aufnehmen, auch das Verabschieden begleitet unser Miteinander. Jemand, der Teil der Gemeinschaft war, oft über eine lange Zeit, verlässt sie um vielleicht wieder in seine Familie zurückzukehren oder aber um den meist lang ersehnten Schritt ins Erwachsenen- und Arbeitsleben zu tun. Das hinterlässt eine Lücke, auch wenn wir bemerken, dass es an der Zeit für diese Veränderung ist. Vieles hat sich an Gemeinsamkeiten entwickelt und manche Gedanken folgen den Abgängern nach. In den Gesprächen taucht dann oft ein: "Weißt Du noch, wie Dagmar beim Einkaufen das Nutellaglas im Laden fast leer gegessen hat oder Franz immer wie Michael Jackson getanzt hat und Justus mit der bloßen Hand den Vogel auf dem Dachboden gefangen hat - und erst die Schlange im Kleiderschrank!! Was die jetzt wohl alle machen." Große Freude herrscht, wenn wir Besuch bekommen und die vormals Kleinen es sehr genießen, von den Ehemaligen verblüfft als groß erlebt zu werden. Und die Kleinen wundern sich, dass so jemand auch schon hier gelebt hat. Alte und neue Geschichten werden miteinander ausgetauscht und oft entsteht ein gegenseitiges Staunen über alles, was geschehen ist oder noch geschieht - und dann tut jeder wieder den Schritt in seine jetzige Lebenssituation und nimmt doch wieder ein Stück von dem Anderen mit.

BERICHT ALS PDF,,............................................................................................................................................,,Ruth Knorz