EIN ERFAHRUNGSBERICHT VOM BESUCH IM HOCHSEILGARTEN

Im 7. Schuljahr besuchten wir zum ersten Mal im Rahmen einer Klassenreise den Hochseilgarten Havelberge in Mecklenburg- Vorpommern. Der Gedanke, dass die Schüler am Anfang der Pubertät mit den Erlebnissen einer Klettertour Selbsterfahrung, Mut, Ausdauer und Stolz erreichen könnten, wurde Wirklichkeit.

Mit großem Einfühlungsvermögen empfingen uns die Mitarbeiter des Hochseilgartens Havelberge.

Schon beim "Geschirr anlegen" war große Konzentration gefordert, da zwei Ohren aus Riemen bereit standen, durch welche wir je ein Bein stecken mussten, allerdings in der richtigen Richtung und Reihenfolge. Das klappte bei den meisten Schülern problemlos. Nun mussten quasi Hosenträger mit den Schlaufen verbunden und 2 Karabinerhaken sehr gewissenhaft daran befestigt werden. Dank der Helfer war dieses Geschäft auch bald erledigt. Nun folgte der Helm, der nicht jedem auf Anhieb passte und so musste wieder eine Visite vom Fachpersonal gemacht werden.

Die Schüler zeigten bei den Vorbereitungen große Ausdauer und Geduld. Dann war es so weit. Wir besichtigten die verschiedenen Parcours, die zwischen 1, 3, 5, 10 und 20 Metern über dem Erdboden zwischen den Bäumen angebracht waren.

Die Schüler teilten sich, je nach innerer Verfassung, selbständig auf. Einige wären gern gleich auf 10 Meter Höhe geklettert, aber wir wurden belehrt, dass alle erst einmal den Einstiegsparcour auf 1 Meter Höhe machen sollten. So wurde jeder Schüler, einer nach dem anderen, an eine "Oberleitung" angehängt, die verhindern sollte, dass die Kletterer abstürzten.

Es wurde schnell deutlich, wer sich "im Griff" hatte oder wer noch überall und nirgends war. Einige Schüler/innen kletterten wie Gämse über den Parcours, andere mussten jeden Schritt überlegen, um ihn dann in die Tat umzusetzen. Es wurde deutlich, wie sehr die Selbstwahrnehmung und Beherrschung hier gefordert waren. Alle kletterten still und aufmerksam, mittlerweile auf vier verschiedenen Ebenen. Einige erkletterten einen Parcours nach dem anderen. Andere übten beispielsweise ausdauernd die Schritte über eine schwankende Brücke zu setzen, deren einzelne Elemente frei schwebten, da sie nicht miteinander verbunden waren.

Alle Schüler fanden das Maß, welches ihrem derzeitigen persönlichen Mut entsprach und zeigten Stolz, Zufriedenheit und Freude, nachdem sie aus der Höhe wieder auf der Erde sicher "gelandet" waren.

Weitere Übfelder erschlossen sich, nämlich im Rahmen einer Förderung durch Ipsum im Klettergarten in Kiel und dann auf unserer nächsten Klassenreise nach Mecklenburg-Vorpommern, noch einmal im Havelberger Klettergarten.

Es wurde deutlich, was sich innerhalb eines Jahres bei den Jugendlichen getan hatte. Jeder traute sich beim letzten Besuch mindestens eine Stufe höher zu klettern oder er ging zumindest den bekannten Parcours mit innerer gewachsener Sicherheit und Souveränität.

Das Klettern im Hochseilgarten fordert die eigene Selbstwahrnehmung, den inneren Mut und das Vertrauen heraus. Alle Schüler/innen machten sich auf den "Weg", was von großer innerer Stärke zeugte. Gerade durch den wiederholten Besuch erleben die Schüler und Schülerinnen den Zuwachs von Geschicklichkeit und Mut.

So möchte ich rückblickend diese Erfahrungen an jeden Interessierten weitergeben. Denn alle diese Erlebnisse sind sehr persönlichkeitsbildend und werden von den Jugendlichen auch nicht mehr vergessen.

Manfred Föttinger