NEUES KONZEPT DER WOHNGRUPPE BLUMENTHAL

15 Fahrminuten von Kiel entfernt liegt die Wohngruppe Blumenthal. Hier leben fünfzehn Kinder und Jugendliche verschiedener Altersstufen, die nahezu alle Schüler der Rudolf-Steiner-Schule sind. Viele Jungen und Mädchen haben in den vergangenen Jahren in dem alten ehemaligen Dorfschulhaus gewohnt und sich mit den Mitarbeitern als eine große Gemeinschaft erlebt.

In den letzten Jahren zeigte sich aber mit zunehmender Deutlichkeit, dass eine Gruppe dieser Größe für manche auch zu groß sein kann. Viele Menschen bedeuten bisweilen auch viel Unruhe und immer öfter erlebten wir, dass es unter ihnen welche gab, die mehr als andere Stille und Rückzug suchten, ja geradezu brauchten. Zudem war eine große Breite an unterschiedlichen Bedürfnissen hinsichtlich Freizeitverhalten, Pflegebedarf oder Schlafenszeiten erkennbar geworden, die uns zu einem umfassenden Nachdenken über die Frage führte, ob wir mit unserer alten Gewohnheit einer großen einheitlichen Gruppe den Bewohnern noch in zeitgemäßer Weise gerecht werden.

Nach einer kurzen Periode, in der wir lediglich für einige Kinder einen zweiten, ruhigeren Essraum einrichteten, entschlossen wir uns zu einer grundsätzlichen Veränderung und entschieden uns für eine Betreuung in zwei Gruppen, die sich in ihrem Charakter in einigen Belangen unterscheiden sollten.

So entstand eine sechsköpfige Gruppe, die schwerpunktmäßig jüngere Kinder in mehr familiärer Atmosphäre betreut und die in ihren Ritualen beim Essen oder in den Abendrunden stärker auf diese Altersgruppe eingehen kann. Auch ältere Bewohner mit höherem Ruhebedürfnis finden hier ihren Platz.

Unsere zweite Gruppe hat neun Plätze. Hier liegt der Schwerpunkt stärker auf dem Erwerb von Selbstständigkeit und der Vorbereitung auf das nachschulische Leben. Entsprechend ist hier der Altersdurchschnitt auch etwas höher. Beide Gruppen werden jeweils von einem eigenen festen Mitarbeiterstamm betreut, haben ihre eigenen Ess- und Wohnräume und die Zimmer befinden sich in jeweils unterschiedlichen Bereichen des Hauses, was die bauliche Situation in Blumenthal glücklicherweise recht unkompliziert ermöglicht.

Wir arbeiten nun seit mehr als einem Jahr mit diesem Konzept. Inzwischen kann man  ein erstes Fazit in dem Sinne ziehen, dass das Leben im Haus spürbar ruhiger und strukturierter geworden ist. Die feste Zuordnung der Betreuer führte zu einem wohltuend höheren Maß an Verbindlichkeit und Zuverlässigkeit bei allen Beteiligten und die Kommunikationswege sind kürzer und klarer geworden. Erstaunlich war, in wie kurzer Zeit die Gruppen gewissermaßen eine eigene Farbe und Identität gewannen, die auch auf das Lebensgefühl ihrer Mitglieder abfärbt. Bei aller Veränderung ist uns aber wichtig, dass das Gefühl einer Hausgemeinschaft und eines Kollegiums nach wie vor fortbesteht. Dieses zu erhalten, indem die Gruppen sich gegenseitig als Teil des Ganzen wahrnehmen, ist die Kunst, in der wir uns gegenwärtig üben.

Olaf Becker